Mittwoch, 11. Mai 2011

Wunderbare DTT Ortho 2 Rücken


Eingang zum vom Eckernförder Architekten Rimpf neugestalteten Therapiezentrum in Damp ...

Wenn ich's mir richtig gemerkt habe steht DTT für Dynamische Trainings Therapie (klingt schräg). Also dynamisch stimmt, Training auch und wegen Therapie bin ich schließlich hier. Ortho 2 ist die Abteilung, in der ich behandelt werde. Tja, und Rücken ist selbsterklärend. Rücken ist Rücken ist Rücken ist ... lassen wir das.

Die Begrüßung in der DTT-Therapiegruppe gefällt mir: Wir sind nach fünf Sekunden beim Du. Der Therapeut schaut an mir runter und entdeckt meine hellsohligen Hallensportschuhe. "Äh, wir beginnen heute mit Nordic Walking. Draußen." Mehr braucht's unter Männern nicht: Ich bin falsch angezogen und ziehe die Notbremse. "Öh, Nordic Walking? Iss jetzt nich so mein Ding. Gibts auch was für Männer?" Wir grinsen. Ich darf drinnen bleiben und bekomme eine Einzelstunde bei E. E. ist nicht nur sehr charmant, sondern legt auch treffsicher Hand an meinen Rücken. Wir reden und die Zeit vergeht wie im Fluge. Anschließend fühle ich mich ausgesprochen vital. E. hat offensichtlich magische Hände. Sie übergibt mich an B. und V., die mir einige Geräteübungen zeigen werden. Ich habe eine klassische Tonstörung und boote im Sprachverständniszentrum die Subroutine "Süddeutsche Dialekte". "Ah, ihr kommt aus Süddeutschland?", frage ich Weitgereister weltmännisch. Die beiden strahlen "Nee, wir kommen aus der Schwyz." Wunderbar! Ich bin begeistert und unterhalte mich blendend. Auch diese Stunde geht viel zu schnell vorbei. Die Übungen tun mir gut. Meine Schulter muckt kurz ob der ungewohnten Belastung und ergibt sich dann. Leider sind die beiden nur kurzzeitig als Praktikanten tätig und reisen in Kürze wieder ab. Danke Mädels, das war richtig gute Arbeit!

Aqua-Jogging ist gelenkschonendes Laufen im Wasser mit Auftriebshilfe. Das beste daran ist der Cheftherapeut im Schwimmbad. H. erkennt mich gleich wieder, begrüßt mich freundschaftlich, wir schnacken, dann schnallt er mir den Gurt um und ab geht's ins Becken. Ausnahmsweise verzichte ich auf eine geschmeidige A....bombe.

Bei der Phonophorese wird dem Körper mittels Schallwellen mit 5 kHz ein Medikament über die Haut zugeführt. Bei mir geht's da um Voltaren, die Allzweckwaffe gegen , Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen, Sehnen- & Sehnenscheiden-Entzündungen, Muskelentzündungen, Schleimbeutelentzündungen an Gelenken, Schmerzen an den Gelenkkapseln, Schulter-Arm-Beschwerden und Verschleißerscheinungen der Extremitätengelenke und an der Wirbelsäule.
Der Schallkopf versetzt die Körperzellen in Schwingungen. Dabei wird der Wirkstoff des auf die Haut aufgetragenen Gels in den Körper zur Problemzone, zum Beispiel meiner rechten Schulter, transportiert.

... und das kann man da so alles machen.

Hurra - der Therapieplan ist da!

Auf dem Weg zum Frühstück gehe ich in der ersten Etage des Hauses "Pamir" bei meinem Postfach vorbei und finde - meinen Therapieplan. Es geht also los. Norddeutschen sagt man im nach, sie hätten keinen oder bisweilen einen 'trockenen' Humor. Da die Reha-Klinik sehr weit im Norden liegt (nördlich 54 Grad 30 Minuten Nord, aber noch südlich von Dänemark), fällt der Humor entsprechend aus: Nach dem Therapieplan hätte ich gestern um 11 Uhr 30 und um 15 Uhr meine ersten Anwendungen gehabt. Dem Prinzip der perfektionistischen Bürokratie verschrieben, steht oben rechts auf dem Plan die Uhrzeit, wann dieser gedruckt wurde: Gestern um 16 Uhr 55 Minuten und 9 Sekunden. Ohne Worte.

Am Strand sehe ich eine Gruppe Frühaufsteher bei der Brandungsgymnastik. Das lüftet durch und spannt den Körper. Glücklicherweise fällt heute die Brandung mangels Wind aus, was bedeutet, dass wir wieder einen dieser seltenen windstillen, warmen Frühlingstage an der See haben werden.

Windstiller Strand, Wasser voraus und warme Luft in Damp

Dienstag, 10. Mai 2011

Land in Sicht

Nun geht's also los. Gleich morgen früh ab 8 Uhr 30. Der Orthopäde ist sympathisch und wirkt sehr kompetent auf mich. Ich bekomme das sportliche Rückenprogramm (ohne Nordic Walking, das ist mir wichtig). Vielleicht fahre ich wieder nach Eckernförde, mich einleben.

Wie alles begann

Die Bauarbeiten in Damp erinnern einen stets daran, dass es der Wirtschaft in Deutschland wieder zunehmend besser geht.
So eine Kur ist im Grunde eine tolle Sache. Man tut etwas Gutes für sich, lernt Neues kennen und erholt sich ein wenig vom Alltag. Als mein Orthopäde vom Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg mir empfahl, mit meinen Schulter- und Rückenbeschwerden eine Kur zu machen, war ich begeistert. Die freundlichen Mitarbeiter vom Sanitätszentrum Hamburg bearbeiteten meinen Kurantrag in Rekordzeit und innerhalb von 10 Tagen lag meine "Kur-Einweisung" vom Sanitätsamt der Bundeswehr in München vor.

Ich durfte mir aus einem dicken Katalog mit Reha-Einrichtungen eine mir genehme Klinik aussuchen. Das ging schnell, denn ich wußte ja, wohin wollte: Nach Damp ins Therapiezentrum. Dort habe ich in den vergangenen Jahren diverse ambulante Physiotherapien mit Freude und Erfolg durchlaufen. Also war mein Erstwunsch die Reha-Klinik in Damp. Neben der angebotenen therapeutischen Qualität war mir die Nähe zu Eckernförde, einem traumhaft schönen Ostseebad 20 Kilometer südlich von Damp, ebenfalls sehr wichtig. Ganz uneigennützig aus rein toruistischen Gründen natürlich.

Wenige Tage später erhielt ich eine Kur-Überweisung mit dem Hinweis, doch bitte persönlich "einen genauen Aufnahmetermin" mit der Klinik abzusprechen. Ich rief also in Damp an. Dann ein Schreck: So kurzfristig wäre eine Aufnahme wohl nicht möglich und ich solle doch zehn Tage später kommen. Mein Hinweis, dass der Überweisungszeitraum bereits im Vorwege vom Sanitätsamt abgestimmt war, wurde mehr ignoriert als zur Kenntnis genommen. "Rufen Sie Montag nochmal an" wurde ich angewiesen. Und am Montag bekam ich dann grünes Licht aus Damp: Anreise wie gewünscht und überwiesen am 09. Mai 2011. "Finden Sie sich bitte zwischen 12 und 13 Uhr ein". Respekt, dachte ich, die arbeiten ohne Mittagspause durch ...

Letzte Woche erhielt ich dann Post aus Damp. Allerdings auf etwas kompliziertem Weg; nämlich über das Sanitätszentrum Hamburg. Die ersten Blätter aus dem gut gefüllten DinA4-Umschlag kamen freundlicherweise von der Marketingsabteilung. "Bringen Sie Ihren Ehepartner, Ihre Freundin, Ihren Freund mit!" stand auf dem ersten Zettel nebst einem Vermerk zur Kostenpauschale sowie den zur Verfügung stehenden Fitness-, Wellness- und Gesundheitsangeboten. Der zweite Zettel fragte, ob ich "Plusleistungen" wie Bademantel, Fön, Apfelsaft oder gar eine Telefongrundgebührbefreiung buchen möchte. Föhn? - brauch ich nicht. Bademantel hab ich selbst mitgebracht und für mein Mobiltelefon zahl ich keine Grundgebühr. Schade - leider nix für mich dabei.

Dann folgte ein Fragebogen zu meinen persönlichen Daten. Diesem entnahm ich, dass ich eine "Fallnummer" habe. So, so, ich bin also ein Fall. Und was für einer! Schließlich fiel mir dann auch ein umfangreicher Anamese-Fragebogen in die Hände. Den füllte ich natürlich sorgfältigst aus. Nur eine Frage konnte ich nicht beantworten. Irgendwas mit Disease-Management-Tralala. Dann faxte ich wie gewünscht den Anmeldebogen mit meinen Daten zur Reha-Klinik Damp.

Die ersten 24 Stunden - nix passiert

Blick auf die Ostsee Richtung Aerö
Ankomme Montag 12 Uhr 30. "Hallo, ich bin der neue Fall". Leider war ich "noch nicht im Computer" und damit unauffindbar, aber dennoch leibhaftig vorhanden. Die sehr freundliche Damp-Mitarbeiterin telefonierte mit einer anderen freundlichen Damp-Mitarbeiterin und schickte mich dann zu Zimmer 333 für die medizinische Aufnahme. Da Mittagspause war, mußte ich ein wenig auf einem Klappwandstuhl auf dem Flur warten. Dabei fiel mein Blick auf das Türschild von 333: Abteilung für Psychosomatik und Neurologie. Klingt irgendwie falsch, wenn man eine orthopädische Diagnose sein eigen nennen darf.

Nach zehn Minuten erschien eine strahlend-freundliche Mitarbeiterin und ging mit mir die Aufnahmeakte durch. "Das erste ärztliche Gespräch haben Sie morgen früh, weil unsere Patienten am Anreisetag durch die Reisestrapazen belastet sind." "Kein Problem," antwortete ich, "ich bin nicht belastet. Wir können also sofort loslegen." Keine Chance, ich wurde auf mein Zimmer geschickt und sollte mich dort und in Damp erst einmal "einleben". 20 Minuten später hatte ich mich Gepäck ins Zimmer gewuchtet, ausgepackt und wohl sortiert in den Einbauschrank geräumt.

Zum Ende des Gesprächs wies ich noch auf einen kleinen Widerspruch hin und fragte schlemisch, ob es in der Reha-Klinik auch eine Orthopädie-Abteilung gibt. "Bundeswehrsoldaten nehmen wir immer in der Psychosomatik auf. Darum kümmert sich dann morgen ihre Ärztin", war die klare Ansage. Soso, Soldaten werden immer in der Psychosomatik und Neurologie aufgenommen. Postmitarbeiter immer in der Dermatologie? Frauen grundsätzlich in der Inneren? Und Menschen mit Migrationshintergrund immer in der Orthopädie? Mmmh, klingt irgendwie nach dem Prinzip "Das haben wir schon immer so gemacht" oder "Das haben wir noch nie so gemacht". Das kann ja lustig werden ...

Als alles ausgepackt war schlüpfte ich in meine Laufsachen und erkundete mit lockerem Tempo die nähere Umgebung. Dabei hörte ich zeitvertreibende Kurzgeschichten von Jürgen von der Lippe. Nach dem Laufen fuhr ich für einen ersten Besuch nach Eckernförde und "lebte mich ein".

Am nächsten Morgen stellte ich mich weisungsgemäß um 8 Uhr 30 einer Ärztin vor, die das Gespräch mit dem Hinweis begann, dass ich offensichtlich in der falschen Abteilung gelandet wäre und daran die fehlerhafte Überweisung der Bundeswehr Schuld wäre. Ich solle doch mal mit der Bundeswehr telefonieren und das klären. Interessant, dachte ich und fragte, wo genau auf der Überweisung denn die Abteilung aufgeführt ist. Ist sie nämlich nicht. Und wen genau ich bei der Bundeswehr anrufen solle um was genau zu klären? Wir einigten uns, dass sie erst einmal hausintern klärt, ob ich in der Orthopädie aufgenommen werden könne.

Gerade erreicht mich die frohe Kunde, dass ich mich heute um 13 Uhr 30 beim Orthopäden vorstellen darf. Auch mit kleinen Schritten kommt man ans Ziel. Schade ist nur, dass man dafür 24 Stunden brauchte.